Welche Babytrage ist die richtige und worauf muss ich achten?

„Welche Babytrage soll ich wählen?“ Viele frisch gebackene Eltern stehen zu Beginn der Elternschaft vor dieser Frage und damit auch der Qual der Wahl. 

Für uns unbestritten ist, dass das Tragen, sowohl im Alltag als auch unterwegs, viele Vorteile bietet. So ist es zum Beispiel für beide Elternteile ein wichtiges Tool für die Bindung zum Baby. Das Kind kann sich rein kuscheln und das tragende Elternteil hat die Hände frei für allfällige Handgriffe. 

Worauf soll ich bei der Wahl einer Babytrage achten?

Doch bevor Eltern diese Vorteile so richtig genießen können stellt sich erst einmal die Frage: „welche Babytrage passt für mich und worauf soll ich bei der Wahl achten?“ Wir haben uns darüber mit Isabelle Philipp-Equey unterhalten. Isabelle ist Trageberaterin und Ausbildnerin in diesem Bereich und gibt in ihrer Trageschule Akompani jeden Tag viel Wissen und Erfahrung weiter. 

Isabelle Phillipp

(C)Guntram Fechtig

„Isabelle, wie finde ich heraus, welche Babytrage ich wählen soll?“

Isabelle: „Das A und O ist, dass sie passt. Sowohl zum Erwachsenen, bzw. zu den Erwachsenen, als auch zum Kind. Der zweite wichtige Faktor ist, dass sie wirklich bequem ist. Denn wenn sie nicht als bequem empfunden wird, wird sie auch nicht verwendet. Wenn es zwickt und zwackt, die Trage zu groß oder zu klein ist, es zu kompliziert wird, sie anzulegen, dann bleibt sie meistens im Schrank liegen. Auch wenn zum Beispiel jetzt die beste Freundin eine bestimmte Trage super cool findet, bedeutet das noch nicht, dass diese Trage auch zu mir passt. Das müssen alle Eltern immer für sich selbst herausfinden.“

„Was zeichnet eine gute Babytrage aus?“

I: „Super ist es natürlich, wenn sie mitwächst. Das bedeutet sowohl im Steg unten, als auch in der Rückenlänge. Gerade im ersten Lebensjahr haben wir ein unglaubliches Wachstum bei den Kindern. Da ist es wichtig, dass sich die Trage in der Rückenlänge gut ans Kind anpassen lässt. Zwischen einem Neugeborenen und einem einjährigen Kind liegen Welten. Das Körpergewicht verdoppelt bis verdreifacht sich in dieser Zeit. Das muss die Trage irgendwie abfangen können. So wie in eurem Fall mit der NIRMI, die über das Kippen des Hüftgurts und über die Möglichkeiten der Steganpassung flexibel anpassbar ist.“ 

„Wann kann mit dem Tragen begonnen werden? Gibt es da ein bestimmtes Alter?“

I: „ Grundsätzlich kannst du Babies von Beginn an tragen. Ausgenommen sind extreme Frühchen. Da ist das etwas anders. Ich spreche gerne von „reif geborenen“ Babys, die grundsätzlich ab Geburt getragen werden können. Frühchen können auch getragen werden, aber da braucht es wirklich einen professionellen Blick darauf und eine gut angepasste Trage.“

„Kurz zu den Materialien: hast du da Favoriten bzw. gibt es Stoffe, die sich besonders gut für das Tragen eignen?"

I: „Wesentlich beim gesunden Tragen ist, dass das Kind super-gut gestützt ist. Je anschmiegsamer das Material ist und je besser sich dieses an den Rücken vom Kind anpasst, desto besser ist es gestützt. Luft kann nicht stützen. Wenn sich der Rückenteil der Babytrage gut ankuschelt, fällt es den Eltern meist leichter, die Gurte richtig schön straff zu ziehen. Dies braucht das Baby für eine optimale Stütze. 

Die Frage, die sich bei manchen Babytragen auch stellt - nicht bei eurer 😉 - ist: will ich wirklich Polyester am Kind haben? Da gibt es verschiedene Aspekte, die dagegen sprechen, zum Beispiel dass die Kinder darin mehr schwitzen. Ansonsten ist es für die Trageeigenschaften relativ egal, ob es der Stoff aus Leinen, Hanf oder Baumwolle ist, solange er bequem und weich ist. Die Webung oder die Bindung macht tatsächlich den größeren Unterschied als das Material.“

„Was sind deiner Erfahrung nach die größten Unsicherheiten von jungen Eltern und die häufigsten Fragen, mit denen sie zu dir in die Trageberatung kommen?“

I: „Die meisten kommen, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen. Wir sind an einem Punkt, wo das Tragen fast schon zu einer Pseudowissenschaft hochstilisiert wurde. Viele Menschen haben das Gefühl, dass sie mehr falsch machen können als richtig. Vielleicht kann ich diese Angst etwas nehmen, wenn ich Eltern sage: ‘im Endeffekt sind es nur drei Punkte, die du beachten musst. Solange das Gesicht frei ist, das Kind super-gut gestützt ist und du und das Kind sich wohl fühlen, kannst du nicht mehr viel falsch machen.’ Ja, man kann noch weitere Benefits rausholen, wenn man beispielsweise den Steg richtig einstellt und wenn die Anhockung passt. Doch das sind zusätzliche Vorteile und nicht zwingend schwere Fehler, wenn man das nicht macht. Die Angst, Fehler zu machen, ist meiner Erfahrung nach ein häufiger Grund, warum die Trageberatung aufgesucht wird. Zudem haben viele einfach den Überblick verloren, weil es ein hohes Angebot gibt und es dadurch auch immer schwerer wird abzuwägen, was das Beste ist. Ich vergleiche das gern mit dem Auto kaufen. Ich habe keine Ahnung von Autos, aber ich soll ein neues Auto kaufen. Der Markt ist riesig. Was suche ich? Wo bin ich? Was mache ich? Wir von der Trageberatung sind dann die, die durch diese Fülle durchführen können. Wir können Möglichkeiten aufzeigen und Hilfestellung bei der Entscheidung bieten, was zu den jeweiligen Eltern passen kann.“ 

„Gibt es ein absolutes No-Go für dich? Einen Fehler, den man nicht machen sollte?“

I: „Zu locker tragen. Eltern sollten darauf achten, dass die Kinder satt genug eingebunden sind. Wenn die Babytrage zu locker eingestellt ist, riskiere ich tatsächlich die Gesundheit des Kindes. Es sinkt zusammen und fällt nach vorne. Das kann sogar soweit gehen, dass sich die Atemwege verlegen. Deshalb bitte immer: festziehen, festziehen, festziehen. Um den Bogen zu schließen: hier kommen die Stoffe wieder ins Spiel. Je anschmiegsamer diese sind, umso sicherer fühle ich mich als Elternteil wirklich gut festzuziehen. Ich darf nicht das Gefühl haben, dass ich ein Brett ans Kind ran ziehe. Mit weichen, kuscheligen und anschmiegsamen Stoffen entsteht dieses Gefühl nicht und die Eltern trauen sich auch wirklich, alles schön satt festzuziehen. Hier schließt sich der Kreis zum Material.“

„Last but not least: wie würdest du die NIRMI in drei Sätzen beschreiben?“

I: „Die NIRMI ist eine sehr einfach anzulegende Tragehilfe. Sie hat einen guten Zusatznutzen für Eltern, die mit Achtsamkeit ihre Entscheidungen treffen und mit dem Kauf auch noch etwas Gutes tun wollen. Dadurch dass die NIRMI Babytrage mitwächst und flexibel einstellbar ist, ist sie außerdem zum Tragen von vielen verschiedenen Kindern geeignet.“